Unsere Befreiung - Leben auf 30 Quadratmetern
- Christian Dollase
- 2. Dez. 2023
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Jan. 2024
"Wer sich im Sommer über die Sonne freut, trägt sie im Winter in seinem Herzen" - Rainer Haak
In unserer "grossen Agenda" war ein wichtiger Punkt, der teuren, 130 Quadratmeter grossen Wohnung in St.Niklausen zu entfliehen, und für die unsichere Schweden-Übergangszeit einen preiswerten Lebensmittelpunkt zu finden. Unsicher deshalb, da weder Job noch Unterkunft zu diesem Zeitpunkt klar waren. Nach einer längeren Suche in der Umgebung von Luzern wurden wir im Städtchen Huttwil fündig.
Es war gar nicht so einfach, eine kleine Wohnung für zwei unter 60qm zu finden. Häufig bekamen wir zu hören, dass so etwas für zwei einfach nicht ausreichend sei. Eigentlich sollte es doch jedem selbst überlassen sein, wie man wohnt. Im minimalistischen Sinne reicht die Grösse aus, und in unserer Kindheit haben wir zu dritt bzw. viert in vergleichbarer Grösse gewohnt.
Zum Glück waren unsere neuen Vermieter offen, so bekamen wir die herzige, 30qm Dachwohnung, und noch eine Garage und Abstellfläche auf dem Dachboden und im Keller dazu. Das war perfekt für unsere Wünsche.

Blick über Huttwil, vom Soldatendenkmal
Obwohl nur als Zwischenstation gedacht, haben uns die Monate in Huttwil sehr gefallen und berührt. Wir empfanden die Menschen hier als sehr bodenständig und sehr freundlich. Die Umgebung erinnerte uns an unsere Heimat in Sachsen und Thüringen - bewaldete Hügel und Felder; mit dem einzigen Unterschied dass in Huttwil am Horizont die Viertausender blitzen. Weiters hatten wir ein sehr herzliches Verhältnis zu unseren Vermietern; wir durften unter anderem an den unzähligen Zucchettis teilhaben, welche dadurch einen grossen Teil unseres Speiseplans ausmachten. Leichte Kost im heissen Sommer :)
Der Wald ringsum bot viele kleine Wege, und vor allem viele Heidelbeeren und Brombeeren, welche wir fleissig sammelten und zu Kuchen und Marmelade verarbeiteten. Falls wir uns in der Hitze erfrischen wollten, konnten wir in 5 Minuten einen kleinen Bach erreichen, und uns geschützt vor anderen Blicken in das kalte Wasser legen.
Zusätzlich gibt es in Huttwil ein grosses Angebot an unterschiedlichsten Läden; und die Lebensmittelgeschäfte waren für uns alle zu Fuss erreichbar. Zum Bahnhof waren es nur zwei Minuten, aber vom Bahnverkehr haben wir nichts gehört; eher vom davor liegenden Verein historischer Züge, wenn die Dampflok gefeuert und die Signalpfeife getestet wurde.
In der kleinen Wohnung habe wir uns sehr wohl gefühlt. Die begrenzte Fläche führte bei uns zu einem Gefühl von Gemütlichkeit. Wir hatten ausserdem viel weniger Dinge als vorher in der Wohnung; wenige Dinge erzeugen weniger "kognitive Last", und das haben wir gespürt. Zum Essen konnten wir draussen einen kleinen Tisch benutzen, an welchem wir dann abends sassen und z.B. unsere Schwedisch-Lektionen lernten.
Zimmer unter dem Dach
Das Zimmer "unter dem Dach" erinnerte mich an das gleichnamige Lied von Gerhard Schöne.
Wir haben den Sommer hier sehr genossen. Wenn wir in der Schweiz geblieben wären, wäre Huttwil und Umgebung sicher unsere neue Heimat geworden. Wir teilen noch ein paar Fotos, viel Spass beim Anschauen!
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